Was zahlt die Versicherung Restwert oder Wiederbeschaffungswert?

Wie funktioniert die Schadensregulierung bei Materialschäden im Falle eines Autounfalls?

Im Fall eines Unfalls greifen die Klauseln des gültig geschlossenen Versicherungsvertrags zwischen dir, also dem Fahrzeughalter und deiner Versicherung bzw der Versicherung der unfallverursachenden Partei. In der Regel erstattet dir die Versicherung die von einem anerkannten Fachbetrieb in Rechnung gestellten Reparaturkosten, wenn das Auto keinen wirtschaftlichen Totalschaden erlitten hat.

Was ist ein wirtschaftlicher Totalschaden und welche Summe erhalte ich von der Versicherung?

Liegt ein wirtschaftlicher Totalschadensfall bei einem KFZ vor, bedeutet dies, dass die geschätzten Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert übersteigen und eine Reparatur des Wagens wirtschaftlich gesehen unsinnig ist. In diesem Fall zahlt die Versicherung den Wiederbeschaffungswert an den Versicherungsnehmer aus. Dies ist der Preis den ein vergleichbares Ersatzfahrzeug mit ähnlichen Eigenschaften bezüglich Erstzulassung, Laufleistung, Marke, Modell usw. zu den aktuellen Marktbedingungen kosten würde. 

Der Restwert bestimmt den Wiederbeschaffungswert!

Vom Wiederbeschaffungswert wird der sogenannte Restwert abgezogen. Dies bedeutet für dich als Fahrzeughalter dass dein beschädigtes Auto noch einen gewissen Wert hat. Am Markt gibt es spezialisierte Autoverwerter, die dein Unfallwagen zu einem gewissen Preis ankaufen können. Der Restwert ist z.B. der Preis zu dem ein solcher Händler dein Unfallauto ankauft. Du kannst allerdings auch den Restwert durch einen unabhängigen Sachverständigen ermitteln lassen. Dieser Experte erstellt dir, natürlich gegen Rechnung, ein Gutachten, welches den Restwert festlegt. Dabei wird eine detaillierte Inaugenscheinnahme des erlittenen Schadens vorgenommen, sowie eine Begutachtung der noch intakten Teile. 

Der Restwert ist somit kein Wert der von einer Versicherungsgesellschaft ausgezahlt wird, sondern der Wert der zur Ermittlung des zu erstattenden Wertes, dem Wiederbeschaffungswert, berücksichtigt wird. Als geschädigter Fahrzeughalter erhältst du den ermittelten Wiederbeschaffungswert, bereinigt um den Restwert, von der Versicherung rückerstattet.

Rechenbeispiel 1:

Reparaturkosten die zur Instandsetzung des verunfallten Wagens geschätzt werden: 7.500 EUR
Wiederbeschaffungswert (Kaufpreis eines vergleichbaren Autos): 6.000 EUR
Restwert ermittelt durch Gutachten: 2.500 EUR

Die Kosten für die instandsetzung übersteigen in diesem Fall 1 den Wiederbeschaffungswert (um 25%) und der Versicherer wird sich für die kostengünstige Variante, d.h. den Wiederbeschaffungswert entscheiden. 

Der von der Versicherung auszuzahlende Betrag an dich, den Fahrzeughalter beträgt demzufolge: Wiederbeschaffungswert 6.000 – Restwert 2.500 = 3.500 EUR Rückerstattungssumme

Wirst du selbst nach einem Ankäufer für dein Unfallauto fündig und dieser Händler bietet dir einen höheren Ankaufspreis als der ermittelte Restwert, wird diese Differenz vom Wiederbeschaffungswert abgezogen; du erhält also einen, um diesen höheren, real erzielten Restwert, reduzierten Wiederbeschaffungswert ausgezahlt. 

Rechnungsbeispiel 2: 

Reparaturkosten die zur Instandsetzung des verunfallten Wagens geschätzt werden: 7.500 EUR
Wiederbeschaffungswert (Kaufpreis eines vergleichbaren Autos): 6.000 EUR
Restwert ermittelt durch Gutachten: 2.500 EUR
Tatsächlich erzielter Restwert durch Verkauf an einen Händler: 3.000 EUR
Der erhöhte Restwert, bzw der tatsächlich erzielte Restwert wird vom Wiederbeschaffungswert abgezogen, d.h. es werden dir 6.000 EUR – 2.500 – 500 = 3.000 EUR vom Vesicherer erstattet.

Anders verhält es sich wenn du dir einen neuen Gebrauchten kaufst und der Autohändler dir mehr für deinen Unfallwagen in Zahlung gibt als der ermittelte Restwert. Einem Urteil des Bundesgerichtshofs zufolge gilt dieser Mehrwert nicht als erhöhter Restwert, sondern ist als versteckter Rabatt anzusehen, der ausschliesslich dir zugute kommt und auf den kein Versicherer Anspruch hat.

Kann ich auf eine Reparatur meines Wagens pochen?

Ist dein Wagen einzigartig oder es gibt einen anderen Grund weshalb du dich nicht von ihm trennen möchtest oder ihn ersetzen möchtest, kannst du auf eine Erstattung der Reparaturkosten durch den Versicherer bestehen, wenn 2 Bedingungen erfüllt sind:
1. Du fährt das Auto nach der Instandsetzung noch für mindestens sechs weitere Monate
2. Die Reparaturkosten deines Wagens dürfen den Wiederbeschaffungswert um höchstens 30% übertreffen. (130% Regel)

Rechenbeispiel 3:

Reparaturkosten die zur Instandsetzung des verunfallten Wagens geschätzt werden: 7.500 EUR
Wiederbeschaffungswert (Kaufpreis eines vergleichbaren Autos): 6.000 EUR
Die Reparaturkosten übersteigen den Wiederbeschaffungswert um 25%, somit kannst du gemäss der 130% Regel eine Übernahme der Instandssetzungskosten durch den Versicherer beantragen.
Ein Restwert spielt bei dieser Option nicht. 

Im letzten Beispiel greift die 130% Regel ab einem Betrag von 7.800 EUR an Reapraturkosten zu gunsten des Versicherers, d.h. du kannst nicht auf eine Reparatur deines Wagens bestehen und musst dich zum Wiederbeschaffungswert auf dem Markt nach einem anderen Fahrzeug umsehen.
Ebenfalls unzulässig ist es bei einer Reparatur die den Wiederbeschaffungswert um mehr als 30% übertrifft, eine Kostenübernahme von der Summe die 130% entsprechen vom Versicherer zu verlangen, um weitere Reparaturen auf eigene Rechnung durchzuführen. Der Gesetzgeber will somit wirtschaftlich unsinnigen Reparaturen zuvor kommen.

Autohub Marktplatz
Register New Account
Reset Password
Compare items
  • Total (0)
Compare